KI verändert, wie Designarbeit aussieht. Nicht weil sie Designerinnen ersetzt, sondern weil sie bestimmte Schritte grundlegend beschleunigt. Brainstorming, Strukturarbeit, erste Copy-Entwürfe: Was früher einen halben Tag brauchte, geht heute in einer Stunde.
Die Frage ist nicht ob man KI einsetzt. Die Frage ist, wie man es so macht, dass das Ergebnis trotzdem nach dem Unternehmen klingt. Nicht nach dem Durchschnitt von allem, was das Modell je gesehen hat.
Bei blynx nutzen wir Claude täglich im Designprozess. Nicht als Autopilot, sondern als Co-Worker: gut informiert, schnell, aber ohne das Kontextwissen, das nur aus echten Gesprächen kommt.
Was Claude konkret bringt
Briefings analysieren und Fragen entwickeln
Vor einem Kundengespräch lohnt es sich, das Briefing in Claude zu laden und zu fragen: "Was fehlt hier? Welche Fragen sollte man dem Kunden noch stellen?" Und: "Welche Annahmen stecken in diesem Briefing, die hinterfragt werden sollten?"
Das Ergebnis: Man kommt besser vorbereitet ins Gespräch. Erkennt Lücken früher. Stellt die richtigen Fragen. Für uns ist das inzwischen fast Standard vor jedem Erstgespräch.
Zielgruppe durchdenken
Claude lässt sich mit dem Kunden-Kontext füttern: Branche, Angebot, bestehende Kunden. Die Frage "Wer kauft bei diesem Unternehmen, und warum?" liefert einen Ausgangspunkt. Keine fertige Antwort, aber einen strukturierten Startpunkt, den man mit echtem Kundenwissen anreichert.
Claude antwortet mit dem Durchschnitt. Das ist bekannt. Aber der Durchschnitt ist besser als ein leeres Blatt, solange man ihn nicht unkritisch übernimmt.
Wer noch tiefer gehen will: atypica.ai generiert KI-Personas auf Basis echter Social-Media-Daten und führt damit virtuelle Tiefeninterviews durch. Für grössere Zielgruppenanalysen oder wenn das Budget für echte User Research fehlt, definitiv einen Blick wert.
Texthierarchie und Seitenstruktur
Claude kennt Seitenstrukturen. Es weiss, dass man das Problem zuerst anspricht, bevor man die Lösung zeigt. Es weiss, dass Testimonials näher am CTA mehr bringen als ganz oben. Das ist gesammeltes Designwissen, das sich abrufen lässt, ohne es jedes Mal neu herzuleiten.
Das Ergebnis ist ein Gerüst. Kein fertiges Design. Aber mit einem Gerüst anzufangen ist deutlich besser als mit einem leeren Artboard.
Headline-Varianten und Copy-Entwürfe
Für brauchbare Headline-Varianten brauchte man früher gut eine Stunde: zehn Versuche, die meisten davon schwach, drei interessante, eine die man nimmt.
Heute liefert Claude in drei Minuten zehn Varianten in unterschiedlichen Richtungen: sachlich, provokativ, nutzenorientiert, fragen-basiert. Zwei davon sind wirklich gut, vier interessant, vier generisch. Man bearbeitet die guten, kombiniert manchmal Elemente. Das Ergebnis ist meistens besser als der alleinige erste Versuch, und es kostet einen Bruchteil der Zeit.
Feedback auf eigene Entwürfe
Claude lässt sich als kritischer Leser einsetzen. Eine fertige Hero-Section in Claude laden und fragen: "Was könnte an diesem Text die Zielgruppe abschrecken?" Oder: "Welche Annahmen macht dieser Text über den Leser, die vielleicht falsch sind?"
Manchmal hat Claude Recht. Manchmal liegt es falsch, weil es den spezifischen Kunden nicht kennt. Aber der externe Blick hilft, Fehler zu sehen, die man selbst nicht sieht, weil man zu nah dran ist.
Noch etwas: Claude ist hier deutlich kritischer als ChatGPT. ChatGPT neigt dazu, Entwürfe zu loben und höflich zu kommentieren. Claude sagt direkt, was nicht funktioniert. Für Feedback-Zwecke ist das der nützlichere Ansatz.
Den eigenen Skill aufbauen
Bei blynx haben wir einen sogenannten Skill aufgebaut: eine Textdatei mit unserer Positionierung, unseren Schreibregeln, konkreten Negativbeispielen. Wenn Claude mit diesem Kontext startet, weiss es wie wir schreiben. Keine Gedankenstriche. Kein Agentursprech. Problem vor Lösung.
Was das bringt und wie man so einen Skill aufbaut, haben wir im Artikel Claude Skills: einmal aufsetzen, nie mehr Kontext wiederholen ausführlich beschrieben.
Was KI nicht übernimmt
Das ist der Teil, der in den meisten KI-Artikeln fehlt.
- Das Urteil über die Zielgruppe. Claude weiss nicht, dass der Geschäftsführer dieses konkreten Unternehmens keine langen Texte liest, aber Zahlen liebt. Es weiss nicht, dass seine Kunden hauptsächlich über Empfehlung kommen und die Website deshalb Vertrauen bestätigen muss, nicht erst aufbauen. Das weiss man nach einem Gespräch.
- Den ersten Eindruck beurteilen. Ob ein Design auf Anhieb das Richtige kommuniziert, das kann nur jemand beurteilen, der die Zielgruppe kennt. Claude sagt, ob eine Struktur logisch ist. Ob sie beim richtigen Menschen das richtige Gefühl auslöst, sagt es nicht.
- Das Persönliche. Der Satz auf der Über-uns-Seite, der zeigt dass echte Menschen dahinterstecken. Die Formulierung, die klingt wie jemand, den man gerne anruft. Das kommt aus dem Kennen des Menschen, der hinter dem Unternehmen steht, nicht aus einem Modell.
- Die Entscheidung, was weggelassen wird. Gutes Design ist meistens eine Serie von Streichentscheidungen. Claude fügt gerne hinzu. Weglassen ist schwerer für es.
- Das Nein zum Kunden. Wenn eine Idee nicht für die Zielgruppe funktioniert, muss jemand das sagen. Claude würde es umsetzen.
Wo KI im Weg steht
- Zu früh einsteigen. Wer Claude nutzt, bevor man selbst nachgedacht hat, übernimmt unbewusst die Struktur der Antwort. Das Ergebnis klingt nach dem Durchschnitt aller Websites, die Claude je gesehen hat. Das passiert schneller als man denkt.
- Zu unkritisch übernehmen. Die Antwort kommt schnell, also wirkt sie überzeugend. Ein Seitenaufbau, der von Claude kommt und nicht wirklich hinterfragt wird, kann im Kundengespräch zum Problem werden, wenn die Reihenfolge für diese spezifische Zielgruppe schlicht nicht passt.
- Als Ersatz für das Kundengespräch. Das ist die grösste Falle. Kein Modell ersetzt, was man in einer Stunde Gespräch über ein Unternehmen, seinen Gründer und seine Kunden lernt.
Und die Frage der Bilder
Stock-Fotos funktionieren nicht. Der freundliche Händedruck vor weissem Hintergrund, die Frau mit Headset, der generische Büroflur. Das sagt nichts Eigenes.
Wer sowieso nicht zu Stock greift, für den macht KI-Bildgenerierung Sinn. Mit Tools wie Midjourney oder Firefly lassen sich Bilder erstellen, die zur eigenen Marke passen: eigene Farben, ein konsistenter Stil, vielleicht sogar ein Avatar. Deutlich persönlicher als Stock, und für viele ein praktikabler Einstieg.
Wer es richtig machen will, investiert in eine Fotografin oder einen Fotografen. Echte Bilder, echte Menschen, echter Kontext. In unserer Region ist Sarah Rauchenstein von der Shooting Garage in Lachen eine gute erste Anlaufstelle für Businessshootings, die nicht nach Businessshooting aussehen. Weitere Fotografinnen und Fotografen in der Region March arbeiten ähnlich. Ein kurzes Gespräch zeigt schnell, wer zum eigenen Stil passt.
Was das alles bedeutet
KI, korrekt eingesetzt, beschleunigt. Was es nicht tut: denken, kennen, urteilen.
Der Fehler, den wir am häufigsten sehen: man geht mit einer vagen Vorstellung in Claude und hofft, dass das Modell die Antwort schon weiss. Das tut es nicht. Es produziert das Wahrscheinlichste. Das Wahrscheinlichste ist selten das Einmalige.
Die richtige Reihenfolge:
- Zuerst selbst nachdenken. Wer ist die Zielgruppe? Was macht dieses Unternehmen wirklich anders? Was soll die Website auf keinen Fall kommunizieren?
- Dann Claude fragen. Mit konkretem Kontext als Ausgangspunkt.
- Dann filtern. Was passt wirklich? Was ist Durchschnitt? Was braucht eine eigene Note?
Wer wirklich was Eigenes will, denkt zuerst. KI kommt danach.
Im nächsten Artikel schauen wir uns an, wie ein Designprozess von Briefing bis zur fertigen Seite bei uns heute konkret aussieht: mit und ohne Claude, und wo wir die Grenze ziehen.
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Website das Richtige kommuniziert und ob der erste Eindruck stimmt: das schauen wir uns gern gemeinsam an.